The complete essayDer vollständige Aufsatz · 12 sections12 Abschnitte
- Anmerkung des Übersetzers
- Sources and methodQuellen und Methode
- Chinese martial arts in outlineChinesische Kampfkünste im Überblick
- Wu te: martial virtueWu Te: die Moral des Kämpfers
- Rites of passageÜbergangsriten
- The martial familyDie Kampfkunst-Familie
- Three levels of discipleshipDrei Ebenen der Schülerschaft
- Women and discipleshipFrauen und Schülerschaft
- Bai Shi: preparing the ceremonyBai Shi: die Vorbereitung
- The ceremonyDie Zeremonie
- Incense, bows and giftsRäucherwerk, Verneigungen und Geschenke
- Names and the tea ceremonyNamen und Teezeremonie
- Then and nowDamals und heute
Editorial contextRedaktioneller Kontext
Jake Burroughs shared this essay with Wing Tsjun International. It surveys discipleship ceremonies through interviews and comparative historical research, and the original WTI page cautions that the practices described differ in significant ways from WTI ceremonies. The essay itself notes the limited availability of primary sources. Its generalizations and period-specific views should be read as part of a 2003 study, not as current WTI rules or a universal description of Chinese martial arts.Jake Burroughs stellte diesen Aufsatz der Wing Tsjun International zur Verfügung. Er untersucht Schülerschaftszeremonien anhand von Interviews und historischen Vergleichen. Die frühere WTI-Seite weist darauf hin, dass sich die beschriebenen Praktiken deutlich von WTI-Zeremonien unterscheiden. Der Aufsatz selbst benennt die begrenzte Verfügbarkeit von Primärquellen. Verallgemeinerungen und zeitgebundene Ansichten sind als Teil einer Studie aus dem Jahr 2003 zu lesen, nicht als heutige WTI-Regeln oder universelle Beschreibung chinesischer Kampfkünste.
The present article gives an insight into the subject of discipleship ceremonies, and references about the traditional student-teacher relationship within the Chinese martial arts. The reader is asked to note that the ceremonies practiced within the Wing Tsjun style partially differs significantly from the ones mentioned in the thesis.
We would like to thank the author Jake Burroughs for sharing this article with us.
Die vorliegende Arbeit gibt einen Einblick in das Thema "Schülerschaft-Zeremonien" und referiert über das klassische Schüler-Lehrer Verhältnis innerhalb der chinesischen Kampfkünste. Der Leser möge allerdings beachten, dass sich die Zeremonien und auch einige der Ansichten in der uns freundlicherweise von Autor Jake Burroughs zur Verfügung gestellten Arbeit teilweise erheblich von denen im Wing Tsjun Fachgebiet gängigen unterscheiden.
Anmerkung des Übersetzers
Das englische Wort "disciple" bedeutet soviel wie Jünger. Da wir in der deutschen Sprache diesem Wort eine andere Bedeutung beimessen und es meistens im Zusammenhang mit einer religiösen Gruppierung steht, habe ich um Missverständnissen zuvor zu kommen der Einfachheit halber die Worte "Schüler des inneren Kreises" oder "Lehrling" benutzt, welches den Schüler von seinen Mitschülern abhebt und ihm eine andere Stellung gibt.
Sources and methodQuellen und Methode
The Chinese martial arts enjoy a long, rich tradition that has caught the attention of the Western eye over the last several decades, and is now a fixture in the lives of many American and Europeans alike. Whether it be for physical fitness, discipline, or to learn self-defense the martial arts are practiced by millions here in the west. But how many of these individuals truly understand the deep cultural roots of the arts they are practicing? How much of the culture is being conveyed outside of kicking and punching? Due to a number of factors, including a substantial language barrier, few Anglos (and many recent Chinese) understand, or are knowledgeable of the traditional role between teacher and student. The concept of dedicating oneself to the art, teacher, and/or school (guan) - or in other words becoming a disciple- is completely foreign to many of today’s practicing martial artists. I will investigate the discipleship ceremony from a broad range of perspectives, and give a general anthropological study on this secretive, integral aspect of Chinese martial arts.
First I should make a note on sources. There is practically nothing written in primary sources (keep in mind that I did not investigate Chinese sources, for my Chinese reading skills are too basic) on discipleship ceremonies. There are several factors contributing to this. One is simply because many masters were illiterate and would pass information on proper etiquette and procedure through oral tradition. Written information on the techniques of these arts was rare. If it was written it was kept closed from all but the most serious, dedicated disciples. These adoption or discipleship ceremonies were also secretive. This way no rival school or clan would be able to obtain the style’s intricacies, important in a time where one’s life could rest upon one’s skill level. When one was adopted it was considered a personal family affair, of no business of outsiders, much like our ceremonial practices today with marriage or funerals. Therefore, I have relied almost completely on direct interviews of masters, teachers, and practitioners that have had experience with and /or participated in discipleship ceremonies. I have chosen to not focus on any one clan, style, or geographic area within China, but rather show different perspectives from both Northern and Southern traditions, as well as internal and external practitioners. With few exceptions teachers were happy to help by providing information, though a few felt this topic was taboo to share with someone outside of their school.
Chinesische Kampfkünste erfreuen sich einer langen und reichen Tradition, welche über viele Dekaden hinweg die Aufmerksamkeit der "Westler" erregte und nunmehr ebenfalls als fester Bestandteil zum Leben vieler Menschen in den USA und Europa zählt. Sei es zur Stärkung der physischen Fitness, der Disziplin oder zum Erlernen von Selbstverteidigung, Millionen begeisterter Menschen befassen sich heute hier im Westen mit Kampfkünsten.
Aber wie viele dieser Anwender verstehen tatsächlich die tiefen kulturellen Ursprünge der Künste, die sie betreiben? Wie viel dieser Kultur wurde neben Schlagen und Treten wirklich übermittelt?
Durch verschiedene Faktoren, wesentliche Sprachbarrieren eingeschlossen, verstehen nur sehr wenige Menschen im Westen (und heutige Chinesen, denen dieses Wissen nie überliefert wurde) die traditionelle Rolle zwischen Schüler und Lehrer. Das Konzept sich selbst komplett einer Kunst, einem Lehrer und / oder Schule (Guan) zu verschreiben, oder mit anderen Worten ein Schüler des inneren Kreises zu werden, ist vielen heutigen Kampfkünstlern / -sportlern völlig unbekannt.
Ich werde die Schülerschaft-Zeremonie aus verschiedenen Perspektiven untersuchen und eine generelle anthropologische Studie über diesen lange geheim gehaltenen wesentlichen Aspekt der chinesischen Kampfkünste erstellen.
Zuerst sollte ich etwas zu den Quellen erwähnen. Es gibt praktisch keinerlei schriftliche ursprüngliche Quellen über Schülerschaft-Zeremonien (wobei man nicht außer Acht lassen darf, dass ich keine chinesischen Quellen untersucht habe, da meine chinesischen Kenntnisse dafür zu begrenzt sind).
Tatsächlich gibt es mehrere Faktoren, die darauf hinweisen, warum ich keine Niederschriften finden konnte. Zum einen waren einige Meister einfach des Lesens und Schreibens nicht mächtig, daher wurden Informationen über Umgangsformen und -Prozeduren nur in verbaler Form weitergegeben.
Doch es gab auch weitere Gründe, wie z.B. den gravierenden Punkt der Geheimhaltung. Nicht nur über Adoptionen und Schülerschaft-Zeremonien wurde nicht öffentlich gesprochen. Tatsächlich waren Niederschriften über Techniken der Kampfkünste generell sehr rar. Existierten jedoch schriftliche Informationen, so wurden diese von allen bis auf den ernsthaftesten und hingebungsvollsten Schülern ferngehalten. So konnte keine rivalisierende Schule oder Clan die Feinheiten des Stiles erlangen, welches sehr wichtig war in einer Zeit, in der das Leben oft von den Fähigkeiten in den Kampfkünsten abhing.
Wurde nun ein Schüler in eine Kampfkunstfamilie aufgenommen, so behandelte man dieses als Familienangelegenheit unter Ausschluss Außenstehender, ähnlich wie hierzulande mit Hochzeiten oder Beerdigungen umgegangen wird.
Daher stützt sich diese Arbeit fast zur Gänze auf persönliche Interviews, die ich mit Meistern, Lehrern oder Anwendern die Erfahrung mit Schülerschaft-Zeremonien hatten oder Zeuge eben dieser wurden machte.
Ich entschied mich, meine Forschungen nicht auf einen einzelnen Stil, Clan oder eine geographische Gegend Chinas zu konzentrieren, sondern die verschiedenen Perspektiven aus Nord- und Süd-China, sowie von Stilen, die sich auf innere Anwendungen konzentrieren (internal arts), wie auch auf Äußere (external arts).
Mit wenigen Ausnahmen halfen die Meister gerne in der Bereitstellung von Informationen, auch wenn einige das Thema als zu großes Tabu ansahen, um es mit jemandem außerhalb ihrer Schule zu teilen.
Chinese martial arts in outlineChinesische Kampfkünste im Überblick
A brief outline of Chinese martial arts is important since this will be the prevailing context in which I will be writing. In general, the traditional martial arts of China are divided into four categories. The first is a general geographic context of Northern, and Southern schools. The Yellow River is usually accepted as the cutoff line, but this again is a generalization as teachers from Hong Kong have taken their Southern arts to Beijing, and vice versa. To the beginning student there seems to be many differences in techniques between the Northern and Southern arts, but the more advanced practitioner understands these differences to be arbitrary. The same applies to the differentiation between internal and external styles. Internal styles such as Tai Ji, Xing Yi, and Bagua are said to rely more heavily on developing chi, or internal energy. But again as one advances their understanding there are no significant differences. These distinctions were not even used until Sun Lu Tang coined the term “internal” around the turn of the 20th century (Cartmell). In the larger perspective there are a limited number of ways to break a bone, punch, throw, or injure someone using bare hands, therefore there is a limit to the number of techniques that can be developed. There is little difference in the martial styles of China- to quote the late Liu Yun Chiao: “All martial styles are children of the same mother.”
Apart from these factors there are literally hundreds of styles. Traditionally these styles would be kept solely within a certain family, and would not be taught outside of that family. For instance, Song Family Xing Yi Chuan would be taught only to members of the Song family (Cartmell). As time progressed and attitudes changed teachers realized that if they did not teach outside of their family their art would die with them. So they would teach just the village or town they lived in. A major reason for this secrecy was simple survival. Certain areas have become legendary such as Chen village where it is said the best Chen Tai Ji players are. When trade began to flourish with Europe in the middle of the Ming dynasty (1368-1644) guns began to be imported into China, but they were not commonly used until the late 19th century (Tien, p.56-57). Prior to the introduction of long range weapons such as rifles, martial arts or hand to hand combat-including short-range weapons such as swords, staffs, and spears (which are part of the curriculum of any Chinese martial art)- were the primary means of defense. A given style would have techniques and strategies unique to that school or system therefore it was imperative to protect this information. It was common for a fighter to visit a school and challenge the teacher. If a rival understood another’s techniques they would lose their advantage. Usually the teacher would have his most senior students fight first, and if the challenger was able to defeat them the teacher would accept the challenge and fight. If the teacher lost it was the end of his career. His reputation would be tarnished and no one would be interested in learning from someone who had been defeated by another school. Often if the challenger beat the teacher he would be entitled to his school and all its students. This is why techniques and theories were so closely guarded. Therefore only the most serious students would become disciples and be taught the inner secrets of the style. The higher level techniques and theories, which often included Black Hand (fatal) techniques, were strictly reserved for disciples who promised never to show or teach these techniques outside of their school. But once guns became common in China these factors were quickly nullified. Sam Colt said it best:
“The gun is the great equalizer of men.”
Today disciples play a different role. The most serious students are chosen to carry on the traditions and teachings of the art, and are taught secrets the teacher would not share with just anyone who came in off the street. A disciple must prove their dedication and loyalty, as well as possess a solid understanding of the martial wu te. Every interviewee stressed the qualities of loyalty, dedication, and wu te in regards to accepting a disciple.
Eine grobe Kurzdarstellung chinesischer Künste ist wichtig, da dies der hauptsächliche Kontext meiner Arbeit sein wird.
Generell kann man traditionelle chinesische Kampfkünste in vier Kategorien einteilen:
Die erste wäre die geographische Einteilung in nördliche und südliche Schulen. Der gelbe Fluss wird üblicher Weise zur Trennung benutzt, aber auch dieses kann nur als Generalisierung angesehen werden, da in Hongkong ansässige Lehrer ihre südlichen Stile nach Beijing brachten und anders herum. Für den Anfänger scheinen nördliche und südliche Stile große Unterschiede in ihren Techniken und Anwendungen zu haben aber für den Fortgeschrittenen sind diese Unterschiede willkürlich. Das Gleiche gilt für die Unterscheidung zwischen inneren und äußeren Künsten. Innere Stilen wie Tai Ji, Xing Yi, und Bagua sind bekannt dafür, dass sie mehr Wert auf die Generierung des "Chi" oder interner Energie legen als äußere.
Aber auch hier erschließt sich dem Fortgeschrittenen mit der Zeit die Erkenntnis, dass die Unterschiede eher gering sind. Überhaupt fehlten diese Unterscheidungen in der Begrifflichkeit der Künste ganz und gar, bis Sun Lu Tang um die Wende des 20. Jh. den Begriff "innere" schuf.
Schaut man sich das Ganze nüchtern an, so gibt es nur limitierte Wege, einen Knochen zu brechen, Schläge oder Würfe anzubringen, oder jemanden mit bloßer Hand zu verletzen, daher ist auch die Anzahl der Techniken, die dafür entwickelt werden können begrenzt.
Dem verstorbenen Liu Yun Chiao zur Folge, gibt es nur wenig Unterschiede in den chinesischen Kampfkünsten denn: Alle Kampfstile sind Kinder der gleichen Mutter.
Von diesen Faktoren abgesehen, gibt es Hunderte unterschiedlicher Stile. Traditionell wurden diese Stile innerhalb einer Familie praktiziert und gepflegt und nicht außerhalb der Familie unterrichtet. So wurde das Xing Yi Chuan der Song Familie auch nur an Familienmitglieder der Song Familie weitergegeben.
Mit der Zeit und sich verändernden Einstellungen realisierten die Meister, dass ihr Stil eines Tages mit ihnen sterben würde, wenn dieser nicht auch außerhalb der Familie unterrichtet wurde. Also begannen sie, in dem Dorf oder der Stadt in der sie lebten zu unterrichten. Wie das legendäre Dorf Chen, in welchem man laut Überlieferung die besten Chen Tai Ji Anwender findet, wurden bestimmte Orte berühmt für die in ihm praktizierte Kampfkunst.
Als Mitte der Ming Dynastie (1368-1644) der Handel mit Europa aufzublühen begann, wurden Schusswaffen nach China importiert, allerdings nicht allgemein angewendet, bis ins späte 19. Jahrhundert.
Vor der Einführung von Langwaffen wie z.B. Gewehren, waren Kampfkünste bzw. die Verteidigung mit Kurzstreckenwaffen wie Speeren, Stäben oder Schwertern (welche zum Ausbildungsprogramm aller chinesischen Kampfkünste gehörten) das hauptsächliche Mittel zur Gegenwehr.
Ein bestimmter Stil hatte Techniken und Strategien, welche man einzig in seiner Schule oder in seinem System fand, daher war der Schutz dieser Informationen zwingend erforderlich.
Es passierte häufig, dass ein Kämpfer eine Schule betrat und den Lehrer herausforderte. Beherrschte nun ein Rivale den Stil des anderen, so verlor dieser seinen Vorteil. Üblicher Weise ließ der Lehrer seine höchsten Schüler zuerst kämpfen und sollte der Herausforderer in der Lage sein, diese zu besiegen, so musste der Lehrer die Herausforderung annehmen und selber kämpfen.
Verlor nun der Lehrer den Kampf, so war dies das Ende seiner Karriere.
Sein Ruf nahm Schaden, denn niemand wollte von jemandem unterrichtet werden, der von einer anderen Schule besiegt wurde. Oft übernahm der Herausforderer nach gewonnenem Kampf sogar die Schule und sämtliche Schüler des unterlegenen Lehrers. Daher unterlagen die Techniken und Theorien einem so großen Schutz.
So wurden auch nur die Schüler die es am ernstesten meinten zu sog. Schülern des inneren Kreises und in die internen Geheimnisse des Stiles eingeführt.
Höhere Techniken und Theorien, welche häufig sog. Schwarze Hand-Techniken (Techniken mit fatalen Folgen) beinhalteten, wurden nur an Schüler weitergegeben, welche versprachen, diese niemals außerhalb der Schule anzuwenden oder zu zeigen.
Doch als Schusswaffen in China an der Tagesordnung waren, wurden diese Faktoren hinfällig. Am besten drückte es Sam Colt selber aus: „Die Schusswaffe ist der große Gleichsteller der Menschheit.“
Heute spielen Schüler des inneren Kreises eine andere Rolle. Die fortgeschrittensten Schüler werden auserwählt, um die Traditionen und Lehren der Kunst weiter zu tragen und ihnen werden Geheimnisse anvertraut, die der Meister niemals mit jemandem von außerhalb teilen würde. Der Schüler muss seine Hingabe und Loyalität, sowie ein tiefes Verständnis des kampfkünstlerischen Wu Te vorweisen.
Wu te: martial virtueWu Te: die Moral des Kämpfers
The wu te is a general guideline of morals specifically for the martial artist. It is the most common method for judging a student’s acceptance into discipleship - even more important than one’s skill or ability. Though the specific details vary from school to school and from teacher to teacher, they are generally broken into two categories: morality of mind, and morality of deed. Morality of mind includes: courage, endurance, will, patience, and perseverance. Morality of deed includes respect, loyalty, trust, righteousness, and humility.
Why the emphasis on these aspects? A teacher of martial arts instructs a student in ways of damaging, and possibly killing, another human being. Therefore a teacher must carefully select a student who will not abuse these teachings. Martial techniques are designed to better oneself, and if need be, used as self-defense. It would be unethical to teach a serial killer how to use his hands to take another’s life, or to teach techniques to a thug that would give him more power and skill to hurt his victims.
In traditional Chinese martial arts a student is in essence a direct representation of the teacher. For the teacher’s students to be harassing or threatening another would be a loss of face for that teacher. In the Orient this is a most serious offense.
In every school I have visited there has been a visible copy of their wu te on the wall. One cannot stress enough the importance of the wu te in regards to traditional training and teachers. Once the student agrees to live by this oath it is set in stone. To break it is to nullify the relationship between teacher and student, and usually the student is expelled from the school. “A warriors word is like an arrow, once released, it can never stray until it strikes its target." says Gene Ching.
Jeder meiner Interviewpartner betonte explizit die Qualitäten Loyalität, Hingabe und Wu Te wenn es um die Akzeptierung eines solchen Schülers geht.
Das Wu Te ist eine spezielle moralische Richtlinie für Kampfkünstler. Es ist die gängigste Methode in der Entscheidung, einen Schüler in den inneren Kreis aufzunehmen – wichtiger sogar als die Fähigkeiten oder das Talent des Schülers.
Obwohl die spezifischen Details des Wu Te von Schule zu Schule und Lehrer zu Lehrer differieren, kann man doch generell zwei Kategorien bilden: Die Moral des Geistes und die Moral der Tat.
Die Moral des Geistes beinhaltet Mut, Ausdauer, Willen, Geduld und Beharrlichkeit.
Die Moral der Tat beinhaltet Respekt, Loyalität, Vertrauen, Rechtschaffenheit und Demut.
Warum soviel Wertlegung auf diese Aspekte?
Ein Lehrer der Kampfkünste unterweist in Techniken, die anderen Menschen Schaden zufügen und vielleicht sogar den Tod bringen können. Daher muss der Lehrer gewissenhaft einen Schüler erwählen, welcher dieses Wissen niemals missbrauchen wird.
Kampfkunsttechniken wurden entwickelt, um den Menschen zu verbessern und im Notfall verteidigungsfähig zu machen. Es wäre unethisch, einen Serienmörder darin zu schulen, seine Hände zu benutzen, um das Leben eines anderen zu nehmen, oder einem Verbrecher Techniken zu verschaffen, um noch größere Macht über seine Opfer ausüben zu können.
In traditionellen chinesischen Kampfkünsten ist der Schüler gleichwohl ein direkter Repräsentant seines Lehrers. Für den Lehrer bedeutet ein drohendes oder belästigendes Verhalten seiner Schüler einen Gesichtsverlust. Im Orient gilt dieses als ein sehr ernster Verstoß.
Jede Schule die ich besuchte, hatte eine Niederschrift ihres Wu Te (Schulordnung) an einer Wand hängen. Man kann die Wichtigkeit des Wu Te im Bezug auf traditionelle Schulen und Lehrer nicht genug hervorheben. Sobald der Schüler sich dazu entscheidet, nach dem im Wu Te zitierten Eid zu leben, ist dieses wie in Stein gemeißelt. Den Eid zu brechen ist gleich bedeutend mit einem Bruch zwischen Schüler und Lehrer und häufig wird der Schüler dann der Schule verwiesen.
"Das Wort eines Kriegers ist wie ein Pfeil. Einmal abgeschossen verirrt es sich nicht bis es sein Ziel trifft" sagt Gene Ching.
Rites of passageÜbergangsriten
What is a disciple, and why become one? Rites of passage are common and customary in all cultures, from Aborigines and their ‘walk abouts,’ to the squire becoming a knight by taking certain oaths, praying to God, and being touched with a sword three times on each shoulder by a priest (Ehrenreich, p.168).
A traditional warrior lived the life of a soldier - it was not merely a vocation as it is today. He trained all day everyday, as if his life depended upon it, which it did!
A student or scholar of the fighting arts would complete his training and go through some sort of ceremony marking him as a warrior. A modern example is in the United States Army Airborne Jump School when a soldier has completed the requirements he receives a pair of silver “jump wings,” and becomes an official airborne infantryman. To his fellow soldiers he is elite. To christen the event he would put the pin on his uniform without the backings, and each member of his graduating class would come by and punch the pin into his chest. It is a painful rite of passage to be shared with only those in the airborne unit.
Ceremonies such as these are often associated with becoming an adult, and leaving childhood behind (Rosenbaum, p.24-25). War and manhood have had a testosterone-soaked symbiosis since the earliest days of civilization. “Men make wars for many reasons, but one of the most recurring ones is to establish that they are, in fact, real men.” (Ehrenreich, p.127).
In Chinese martial context, a rite of passage was the discipleship ceremony. Pledging support, loyalty, and dedication to a given style, teacher, and/or school were what becoming a disciple was about (Rivera). All of the teachers I interviewed emphasized that it was not necessary for a student to be highly skilled or talented to become a disciple. Many teachers require a certain number of years, usually three or more dedicated to training in a particular school (Castaneda / Corpolongo). All teachers stressed loyalty, character (synonymous with wu te), and dedication (Cartmell / Ching / Corpolongo / Hu / Profatilov / Rivera / Romero / Yang) as requirements for discipleship. The student is a male (women will be discussed below), in most cases not affiliated with another school, style, or teacher. He must possess strong discipline, as well as a deep understanding of the responsibilities and consequences involved with becoming a disciple of a teacher. In one lineage it was also customary (with Ilya Profatilov’s teacher Ma Han Qin) to be formally introduced to the teacher by one of the other senior students (Profatilov).
In some cases a student was given to the teacher as an orphan to be raised, cared for, and eventually taught martial arts (Ching). The boy would be raised as if he were the teacher’s own: living with the teacher, training everyday, and taking care of menial tasks (Mendel). This created a strong bond between teacher and student.
In modern society this is uncommon, therefore desire to become a disciple takes on a different meaning. Now discipleship is the last effort to connect with a long tradition of martial artists in a skill that is no longer necessary for survival, and will fade away if disciples do not carry the teachings forward.
“Becoming a disciple forges a unique bond between you and the long line of ancestors who forged your tradition before you.” (Ching)
Amos states in one of the few English language articles on discipleship, “A Hong Kong Southern Praying Mantis Cult”;
“Like Chinese secret societies in the past, contemporary Hong Kong martial arts temple cults offer a social background and a body politic in miniature through which martial artists find authority, protection, assistance, kinship, and through ritual, a measure of spiritual contentment.”
While overall this quote conveys the feeling of discipleship, I disagree with a couple of aspects. The term “cult” is incorrect in reference to these martial groups. This is a beaurocratic slander on the martial arts groups, caused by some schools’ association with Triads (organized crime syndicate) groups. Though these schools are rare, they exist and the government occasionally makes high profile arrests of them to ensure the message is conveyed that the government does not like martial groups of any kind. Amos also hints that most martial groups are composed of poor individuals. This may be the case with the one group he observed, but my personal observation shows that discipleship status is common in almost all traditional schools, regardless of monetary or societal status. One aspect Amos does point out is what he calls a “fictive family.” Regardless of blood relations, the student becomes part of a family when he enters into discipleship with his teacher.
Was aber bedeutet es, ein solcher Schüler zu sein und warum einer werden?
Riten eines solchen Weges finden sich in allen Kulturen, von den australischen Aboriginies und ihren "Walk About´s" bis zum europäischen Schildknappen, der durch das Ablegen bestimmter Schwüre, einem Gebet zu Gott und der dreifachen Berührung eines Schwertes auf jeder seiner Schultern von einem Priester zum Ritter geschlagen wird und dann als Soldat für Ruhm und Ehre des Vaterlandes kämpfen darf.
Auch ein traditioneller chinesischer Krieger führte das Leben eines Soldaten. Er ging nicht einfach nur einem Beruf nach, wie es vielleicht heute manchmal der Fall ist. Er trainierte täglich von morgens bis abends, als hinge sein Leben davon ab (was häufig tatsächlich der Fall war). Ein Schüler oder Lehrling der Kampfkünste schloss sein Training ab und absolvierte dann eine Zeremonie, die ihn zum Krieger machte. Als modernes Beispiel sei die United States Army Airborne Jump School genannt, welche ihren Absolventen eine Anstecknadel in der Form silberner Schwingen verleiht, um sie somit in den Kreis der Armee Infanteristen aufzunehmen. Für seine Mitsoldaten gehört der Absolvent damit zur Elite. Um das Ritual zu besiegeln, befestigt er die Anstecknadel ohne Rückverschluss an seiner Uniform und jedes Mitglied seines Jahrgangs schlägt ihm im Vorbeigehen die Nadel in die Brust.
Dieser schmerzhafte Übergangsritus oder Schritt ins Erwach-sensein wird nur mit den Kameraden der Luftwaffeneinheit geteilt.
Zeremonien wie diese werden oft mit dem Verlassen der Kindheit in das Erwachsenenalter hinein assoziiert. Krieg und Männlichkeit umfassen seit den jüngsten Tagen der Zivilisation Testosteron getränkte Symbiosen. Laut Ehrenreich „führen Männer seit jeher Krieg aus den unterschiedlichsten Gründen, aber der sich am häufigsten wiederholende ist der, klar zu stellen, dass sie tatsächlich „Männer“ sind.“
Auf chinesische Kampfkünste bezogen ist dieser Übergangsritus die Schülerschaft-Zeremonie. Das Versprechen Unterstützung, Loyalität und Hingabe seinem Stil und / oder Meister entgegenkommen zu lassen, macht den Schüler zum eigentlichen Lehrling.
Alle Meister die ich interviewte betonten, dass ein Schüler nicht besonders talentiert oder sachkundig sein muss, um zum Lehrling berufen zu werden.
Viele Lehrer setzen eine gewisse Zeit des Trainings, in der Regel 3 oder mehr Jahre in einer bestimmten Schule voraus. Alle Lehrer betonten hingegen Loyalität, Charakter (sinnverwandt mit dem Wu Te) und Hingabe als die wichtigsten Voraussetzungen zur Ernennung eines Schülers des inneren Kreises. Der Lehrling ist männlich (mit Frauen befassen wir uns eingehender weiter unten) und in den meisten Fällen keiner anderen Schule, keinem anderen Stil oder einem anderen Lehrer zugehörig. Er muss starke Disziplin besitzen und ein tiefes Verständnis der Verantwortung und Konsequenzen, welche die Schülerschaft mit sich bringt. Einer der behandelten Stile wies außerdem die Charakteristik auf, dass der Anwärter dem Lehrer persönlich und formell von einem älteren Schüler des inneren Kreises vorgestellt wurde.
In der Vergangenheit wurde der Schüler dem Lehrer in manchen Fällen wie ein Waise anvertraut, um von ihm aufgezogen und beschützt, und schließlich in den Kampfkünsten unterwiesen zu werden. Der Junge wurde vom Lehrer erzogen, als wäre er sein Sohn. Er lebte in dessen Haus, trainierte täglich und kümmerte sich um niedere Tätigkeiten. Durch dieses Zusammenleben entstand ein starkes Band zwischen Schüler und Lehrer.
In der modernen Gesellschaft ist dieses ungewöhnlich. Daher erhält die Aufnahme in den inneren Kreis eine andere Bedeutung. Heute stellt die Schülerschaft eine letzte Bemühung dar, um an eine lange Tradition von Kampfkünstlern anzuschließen, deren Fähigkeiten heute nicht mehr lebensnotwendig sind und deren Wissen sterben wird, sofern ihre Schüler nicht in der Lage sind, ihre Lehren weiter zu tragen.
Ching drückt es folgendermaßen aus:
„Der Akt ein Lehrling zu werden, schmiedet ein einzigartiges Band zwischen dir und der langen Reihe Vorfahren, die vor dir diese Tradition gefestigt haben.“
Amos schreibt in „A Hong Kong Southern Praying Mantis Cult“, einem der raren englischen Artikel über Schülerschaft: „Wie chinesische Geheimgesellschaften der Vergangenheit, bieten zeitgenössische Hong Kong Kampfkunst Tempel-Kulte sozialen Halt, sowie eine Körperschaft im Kleinen, durch welche Kampfkünstler Autorität, Schutz, Unterstützung, Seelenverwandtschaft und durch Rituale ein Maß an spiritueller Zufriedenheit erlangen können.“
Obwohl dieses Zitat einen Hauch des Themas Schülerschaft wiedergibt, stimme ich einigen Aspekten nicht zu. Der Ausdruck „Kult“ ist im Bezug auf Kampfschulen inkorrekt. Seriöse Kampfkunstschulen sehen in diesem Ausdruck eine üble Beschimpfung, die von dem Verkehr mancher Schulen mit Triaden (organisierte Verbrechersyndikate) herrührt.
Obwohl diese Schulen rar sind, existieren sie und gelegentlich nimmt die chinesische Regierung unter großer Medienberichterstattung einige Mitglieder fest um klar zu stellen, dass Kampfgruppen in China nicht erwünscht sind.
Des Weiteren deutet Amos an, dass sich die meisten Kampfkunstgruppen aus armen Individuen zusammensetzen. Das mag in der Gruppe die er beobachtete der Fall sein, aber meine eigene Beobachtung zeigte mir, dass Schülerschaft-Zeremonien in nahezu allen traditionellen Schulen vollzogen werden, unabhängig von finanzieller Situation oder gesellschaftlichem Status. Einen Aspekt den Amos hervorhebt ist der einer „fiktiven Familie.“ Unabhängig von Blutsverwandtschaft wird der Schüler nach der Zeremonie tatsächlich als ein Teil der Familie des Lehrers angesehen.
The martial familyDie Kampfkunst-Familie
Some ethnic groups such as the Hakka, and many Southern schools of Hung Gar (Hung family style) also refer to discipleship as adoption ceremonies (Rivera). The martial class structure is actually molded from the Confucian hierarchy of familial relationships. It is beyond the scope of this paper to delve into all aspects of Confucianism, so I will discuss only the basic aspects of relationships from the Confucian viewpoint. Book II, v.7 of Arthur Waley’s translation of the “Analects of Confucius” sums up the attitude:
“Tsu-yu asked about the treatment of parents. The Master said, ‘Filial sons’ nowadays are people who see to it that their parents get enough to eat. But even dogs and horses are cared for to that extent. If there is no feeling of respect, wherein lies the difference?”
Confucianism is about respect and proper behavior in regards to one’s lifestyle. One should not question the desire of the parent, because they are senior to the child and are therefore due respect and loyalty. The son is obedient to the father (though it is in masculine form in most classical writings, this obviously applies to women also); the younger son is obedient to the older son; the wife is obedient to the husband; the younger friend is subordinate to the older; and the subject of the kingdom is subordinate to the ruler. Confucius’ goal was to create a good person, not just good deeds. It was through these relationships he felt this philosophy could be manifested.
In theory the father would be a wise, learned individual who understood life and would guide his kin in the right direction by teaching morality, virtue, and righteousness. Therefore if the child was obedient and faithful to the father’s teachings he or she would grow into a wise, learned adult. Following this logic all would learn from the elders out of respect and propriety towards them, not in spite of it.
The martial family is identical the relationships are the same as those of a blood family. The following list of names derives from Cottrell, from Cantonese pronunciation:
- Sidai
- Male classmate who joins after you
- Sihing
- Male classmate who joined before you
- Sifu
- Your teacher
- Sipak
- Teachers Sihing
- Sigung
- Your teacher’s teacher
- Sijoh
- Teacher of Sigung
- Tosuen
- Students of your students
Si (or Shr in Mandarin) means to teach. The “fu” in sifu is the Chinese word for father. Combined into sifu “father / teacher”. It should be noted that only initiated disciples originally used the term sifu. The rest of the students would refer to the teacher as laoshi, or teacher (Romero). This transliteration may seem trivial, but if breaking it apart and looking at it from the perspective of a serious martial student it becomes significant. The sifu‘s role lies somewhere between a father, leading by example to show the difference between right and wrong, and a teacher guiding the student through the quagmire of ignorance and misunderstanding. Oftentimes students will even look to their sifu for guidance in troubles and decisions outside of the martial context. Often these students would be just as close, if not closer than, blood family. When Ma Han Qin died, his students took care of the funeral arrangements and costs, instead of his family (Hu). This special and strong bond is built over years of dedication and diligence.
As stated above there is a hierarchy established in a martial school. A beginning student may not even see the head instructor, but rather receive instruction from elder martial brothers left in charge by the sifu. The student is expected to behave just as he would with the sifu in the room, regardless of age or maturity. In the training hall a student who started prior would be the senior. The theory is that the younger student would benefit from the older, more knowledgeable student. Of course the sifu would have the final say in any teaching. A student with a question would bring it to the attention of your older brother. If they could not solve it, they would approach the sifu for the answer.
Einige ethnische Gruppen wie z.B. die Hakka und viele südliche Schulen des Hung Gar (Hung Familien System) versehen Schülerschaft-Zeremonien sogar mit dem Namen Adoptions-Zeremonien.
Die Klassenstruktur der Kampfkünste wurde ursprünglich nach konfuzianistischen Hierarchien innerhalb von Familien gestaltet. Eine eingehende Beleuchtung aller Aspekte des Konfuzianismus würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, also werde ich nur die Grundaspekte konfuzianistischer Beziehungsmodelle erörtern.
Das II. Buch von Arthur Waleys Übersetzung der „Gesammelten Werke des Konfuzius“ fasst den Standpunkt folgendermaßen zusammen: „Tsu-yu fragte nach der Behandlung von Eltern. Der Meister antwortete: Liebende Kinder erkennt man heutzutage daran, dass sie dafür sorgen, dass ihre Eltern genug zu essen bekommen. Doch selbst Hunde und Pferde werden dahingehend versorgt. Wenn kein Gefühl des Respekts existiert, worin liegt dann der Unterschied?“
Wie aus dem Text hervorgeht, behandelt der Konfuzianismus eingehend die Thematik Respekt und anständiges Benehmen hinsichtlich der Lebensführung. Es wird einem nahe gelegt, die Wünsche der Eltern nicht zu hinterfragen, da diese älter sind als das Kind und daher Respekt und Loyalität erwarten können. Der Sohn ist dem Vater gehorsam (auch wenn in den meisten klassischen Schriften die männliche Form benutzt wird, gilt dieses offenbar auch für Frauen), der jüngere Sohn ist dem älteren Sohn gehorsam, die Ehefrau dem Ehemann, der jüngere Freund ist dem älteren untergeordnet und der Untertan des Königreiches dem Regenten. Konfuzius´ Ziel war es, einen guten Menschen zu erschaffen, nicht nur gute Taten. Durch diese Regeln in Familien und Beziehungen, so glaubte er, könne er seine Philosophie manifestieren.
Nun, in der Theorie mag der Vater ein weiser, belesener Mann sein, der das Leben verstand und seine Sippe durch die Unterweisung in Moral, Tugend und Rechtschaffenheit in die richtige Richtung führt. Verhielt sich nun das Kind gehorsam und folgte den Lehren des Vaters, so würde es selber zu einer rechtschaffenden Person heranwachsen. Dieser Logik folgend würden also alle jeweils von den Älteren lernen und zwar aus Respekt und Anstand.
In der klassischen Kampfkunst-Familie verhält es sich ebenso und die Beziehungen sind die Gleichen, wie in einer Blutsverwandschaft.
Unten anstehend sind einige Begriffe aufgeführt, die im Kantonesischen Beziehungen ausdrücken:
- Sidai
- Männlicher Klassenkamerad der nach dir beitritt
- Sihing
- Männlicher Klassenkamerad der vor dir beitrat
- Sifu
- Dein Lehrer
- Sipak
- Der Sihing deines Lehrers
- Sigung
- Der Lehrer deines Lehrers
- Sijo
- Der Lehrer des Sigung
- Tosuen
- Schüler deiner Schüler
Si (oder Shr in Mandarin) bedeutet „Unterrichten.“ Das „fu“ in Sifu ist das chinesische Wort für „Vater.“ Kombiniert bedeutet Sifu also „Vater / Lehrer.“ Wichtig ist zu verstehen, dass nur eingeweihte Schüler des inneren Kreises die Betitelung „Sifu“ benutzen. Die restlichen Schüler sprachen den Lehrer mit „Iaoshi“ oder Lehrer an.
Diese Umschreibung mag belanglos wirken, aber beleuchtet man das Thema intensiv aus den Augen eines leidenschaftlichen Kampfkünstlers, so erhält es durchaus Signifikanz.
Die Rolle des Sifu liegt irgendwo zwischen der eines Vaters, der durch eigenes Beispiel die Unterschiede zwischen Richtig und Falsch darlegt und der eines Lehrers, der den Schüler sicher durch den Sumpf von Ignoranz und Missverständnissen führt.
Oftmals wenden sich die Schüler auch in Schwierigkeiten oder Entscheidungen des Lebens außerhalb der Schule an ihn. Häufig sind diese Schüler dem Lehrer sehr nah, in manchen Fällen sogar näher als die eigene Familie. So kümmerten sich Ha Man Qins Schüler z.B. nach dessen Tod um die Organisation des Begräbnisses und trugen die Kosten anstelle seiner Familie. Um eine solch starke und außergewöhnliche Bindung herzustellen, braucht es natürlich Jahre der Hingabe und des Fleißes, aber sie existieren.
Wie oben angeschnitten, bestehen also hierarchische Strukturen in einer Kampfkunstschule. Ein Schüler mag zu Beginn seiner Ausbildung den Hauptausbilder nicht einmal persönlich sehen, sondern von einem bevollmächtigten „älteren Kung-Fu Bruder“ (Sihing / oder weibl. Sije) unterichtet werden. Von dem Schüler wird dann erwartet, dass er sich verhält als sei der Sifu selber zugegen, unabhängig von Alter oder Reife des unmittelbaren Ausbilders. In der Schule ist ein Schüler der vor einem anderen mit dem Training begonnen hat als führend anzusehen. Die theoretische Idee hinter dieser Erwartung ist die, dass der Anfänger dadurch vom Wissen der „älteren“ Schüler profitieren kann. Selbstverständlich hat der Sifu bei allen Korrekturen das letzte Wort. Hat ein Schüler eine Frage, so bittet er zunächst einen der Sihings um Hilfe. Sollten die beiden zusammen dem Problem nicht Herr werden, so wenden sie sich an den Sifu.
Three levels of discipleshipDrei Ebenen der Schülerschaft
There are three levels of discipleship (Rivera). First is a student pledging support to the teacher or school. This can be done without the student even taking one class, with the student bowing and offering the teacher a gift, or money (lycee) in a red envelope (hong bao). Red is the color of good fortune and joy (Williams, p.76). A gift is customary in Chinese culture for any occasion, but specifically when visiting an elder or someone held in high regard.
Second is “Inner Door” disciple, or one who has entered the gates of his teacher, with more commitment and responsibility. “Inner Door” refers to a student being brought into the “inner” or more detailed teachings of the art, which are not shared with common students. These teachings often include dangerous or deadly techniques, esoteric theories, deeper understanding of techniques already known, lessons on how to teach, and often times the recipes to their liniments and tinctures. In early generations of Chinese martial arts the teachers were schooled in holistic healing arts as well. Acupuncture, tui na (deep tissue massage), and herbology were all once parts of the whole, but have faded in recent generations. These two aspects balance the yin & yang of the art, where one facet is learning to destroy the body, and the other is healing. Often only initiated disciples learn the healing arts.
An Inner Door disciple was expected to carry more responsibility such as keeping the school’s books, teaching, caring for the elderly teacher, or financially supporting the teacher and his family (Hu). All students were expected to pay monthly dues, but disciples were expected to care for all aspects of the sifu’s life, including bills, food, and rent. If the sifu was in financial difficulty it was the disciples duty to help out.
The final level of discipleship is an inheritor of the system - this is the most serious and devoted level (Rivera). These students take on all the tasks of the Inner Door disciple, but they also dedicate themselves to propagating the system and teachings of the sifu to future generations. These disciples learn the art at the highest level. They may move to where their art is not represented and teach it to those who have never seen their style or system. One reason so many of these wonderful arts have not flourished is because of the lack of this level of commitment. Time constraints, family life, and work are all time consuming, without the additional work of running a martial arts school (which are rarely financially productive). Most individuals train and practice, but will not commit to passing the art down to future generations.
Es gibt drei Ebenen der Schülerschaft:
In der ersten gelobt der Schüler Unterstützung dem Lehrer oder der Schule gegenüber. Dieses kann sogar vollzogen werden, ohne dass der Schüler jemals am Unterricht teilgenommen hat, durch eine Verneigung des Schülers und einem Geschenk oder Geld (Lycee) in einem roten Umschlag (Hong Bao). Rot gilt in China als die Farbe des Glücks und der Freude. Geschenke sind üblich in der chinesischen Kultur zu verschiedenen Anlässen, aber besonders dann, wenn ein Besuch bei älteren Personen oder bei einer höher gestellten Persönlichkeit ansteht.
In der zweiten Ebene finden wir den Schüler des inneren Kreises oder Lehrling, jemand den vom Lehrer mit mehr Verbindlichkeit und Verantwortung ausgestattet wird. Diese Schüler sind sozusagen durch die Türe des Sifu eingetreten und genießen größere Aufmerksamkeit ihres Meisters. Der Ausdruck „innerer Kreis“ (inner door) zeichnet diesen Schüler als jemanden aus, der im inneren Kreis der Familie akzeptiert wird und dem Lehren zuteil werden, die nicht mit den übrigen Schülern geteilt werden. Die Lehren beinhalten häufig gefährliche oder tödliche Techniken, esoterische Theorien, tieferes Verständnis der bereits praktizierten Techniken, die Unterweisung in das Unterrichten des Stiles und oftmals Rezepte für traditionelle Mittel und Tinkturen. Alte Generationen von Kampfkünstlern wurden ebenfalls in ganzheitlichen Heilkünsten geschult. Akupunktur, Tui Na, Gewebemassage und Kräuterkunde waren ursprünglich Teil eines Ganzen, verschwanden aber nach und nach bis in die heutige Zeit.
Getreu der Yin & Yang Theorie, wurde sowohl das Zerstören des menschlichen Körpers, wie auch seine Heilung erlernt, allerdings lernten zumeist nur eingeweihte Schüler die Kunst des Heilens.
Von einem Schüler des inneren Kreises wurde erwartet, dass er Aufgaben übernahm, wie z.B. die Buchführung der Schule, das Unterrichten, die Pflege des alternden Lehrers oder die finanzielle Unterstützung des Lehrers und seiner Familie.
Alle Schüler mussten monatliche Abgaben an den Lehrer entrichten doch von den Nachfolgern wurde erwartet, dass sie sich um alle Belange des Lehrers kümmerten, wie den Einkauf von Lebensmitteln und die Begleichung von Rechnungen, wie auch der Miete. Befand sich der Lehrer in einer finanziellen Notlage, so war es die Aufgabe des Schülers, ihm auszuhelfen.
Die letzte Ebene der Schülerschaft ist die des Erben eines Stils, die wichtigste und hingebungsvollste Ebene. Hier übernehmen die Schüler sämtliche Aufgaben der zweiten Ebene und widmen sich darüber hinaus der Verbreitung des Stiles und der Weitergabe der Lehren des Sifu an nachfolgende Generationen. Diese Schüler lernen das System in seiner höchsten Qualität. So ziehen sie z.B. in eine Gegend, in der das System noch nie unterrichtet wurde und lehren Menschen, die noch nie davon gehört haben. Einer der Gründe, warum viele wundervolle Stile sich nicht entfalten konnten ist der, dass oftmals ein Mangel an Schülern bestand, die sich dieser Aufgabe von ganzem Herzen widmeten. Familienleben und Arbeit alleine nehmen bereits Zeit in Anspruch, auch ohne die nebenamtliche Arbeit der Leitung einer Kampfkunstschule (welche selten finanziell besonders produktiv war). Die meisten Leute trainieren und üben, verpflichten sich aber nicht dazu, die Kunst an weitere Generationen zu unterrichten.
Women and discipleshipFrauen und Schülerschaft
Women find themselves in a quandary in regard to discipleship. While it was common for women to be serious martial artists throughout China’s history, few ever became disciples. Keeping to Confucian tradition a woman was required to be obedient to her husband and keep no secrets from him. If she was a teacher’s disciple of a given teacher and learned secret techniques or theories, she was required to share them with her husband. If he belonged to another clan or system he could then steal the teachings and learn to defeat them. Therefore the only women allowed into discipleship were nuns, due to their vows of celibacy (Rivera).
Frauen befinden sich was Schülerschaft betrifft in einem Dilemma. Obwohl von Frauen seit jeher in Chinas Geschichte als ernst zu nehmende Kampfkünstlerinnen die Rede ist, wurden nur wenige jemals zu Lehrlingen. Nach konzufianistischer Tradition hatte die Frau dem Mann gegenüber gehorsam zu sein und durfte keinerlei Geheimnisse ihm gegenüber haben.
War sie nun Schülerin des inneren Kreises eines bestimmten Lehrers und lernte als solche geheime Techniken und Theorien, so war sie verpflichtet, diese mit ihrem Ehemann zu teilen. Gehörte dieser nun zu einem anderen Clan oder einem anderen System, so konnte er diese Techniken stehlen und lernen, sie zu besiegen.
Daher wurden in der Regel nur Nonnen dank ihres Schweige- und Keuschheitsgelübtes in der Schülerschaft zugelassen.
Bai Shi: preparing the ceremonyBai Shi: die Vorbereitung
I have mentioned the overall responsibilities and duties of a disciple, but they also vary between schools, and teachers. A common thread throughout this study has been the variability between individuals and their lifestyles. If a teacher is a Buddhist or Hui ren (Chinese Muslim), for instance, the rules in the written wu te may be a bit more strict in the sense of sexual relations, liquor and food (Rivera). In regards to the actual ceremony there is a wide variance in different traditions - everything from the most elaborate to the quaint.
Most teachers referred to the ceremony as Bai shi or Kowtowing (a traditional bow of respect, where one kneels and touches one’s forehead to the floor three times in front of the teacher). Other names include Bai men “Kowtowing to [enter] the gate,” Rumen yishi “Enter the Gates Ceremony,” Baishi yishi “Kowtowing to the teacher ceremony,” and Bai shi shoutu “Kowtowing to the Teacher and Accepting Disciples” (Profatilov). This paper will refer to the discipleship ceremony as Bai shi.
After a student understood what was expected of him, had proven his dedication and loyalty, properly asked for consideration of discipleship (or was asked by the teacher), and was accepted, was the actual Bai shi ceremony. An auspicious date such as the school’s anniversary, the teacher’s birthday, or the Chinese New Year would be chosen for the ceremony (Profatilov / Rivera). The ceremony would be held infrequently at best - sometimes many years apart (Yang). Occasionally it was for a single person, but usually the teacher would initiate a number of disciples at once. This would reinforce the familial, brotherhood aspect of becoming a disciple. One would become closer to his brothers that he was initiated with, than any others would.
A central object for preparation would be the school’s sun toi, its school shrine or altar. Traditional schools have at least one altar offering homage to protective spirits or deities: Buddha or Kuan Yin (if the teacher or school is Buddhist), and/or an ancestor altar paying respects to the lineage of the sifu. Some schools would display pictures of pictures of dead lineage holders on the left, and living ones on the right. Some would represent only dead teachers. Tony Yang arranges the pictures of deceased teachers on top, and students of the deceased master underneath. Some Southern schools have a shrine for the God of War, Kuan Yu, as well as a shrine for the Earth Spirit on the floor of the school. Some Buddhist schools have Kuan Yin, the Buddha of Compassion, represented in picture or statue form (Rivera).
Kuan Gong is an infamous and important deity throughout China representing loyalty, honesty, bravery, and the arts of war. Born in 162 BCE, he rose to fame among the common people of China due to his unwavering loyalty to the Han emperor. Kuan Gong’s military prowess is legendary throughout the martial world. The Kuan Dao, or “Kuans Sabre,” is a large horse chopper that is basically a broadsword fixed to a 6-foot staff, wielded unerringly by Kuan Gong. In paintings and sculptures Kuan Gong is flanked by two attendants his eyes focused and intentful (Williams, p.211).
It was common in some Southern schools for the student to swear oaths to Kuan Gong (Belonoha).
The shrine is red, due to the color’s symbolic good fortune and joy. The statue of Kuan Gong or another deity may be red signifying a sacred individual (Williams, p.79).
Bats (Fook) are a common animal associated with a shrine. They are traditionally associated with luck and longevity (Williams, p.34-35). Cottrell also notes that in Cantonese Fook, “bat,” sounds similar to the Fook, “luck.”
Three bowls are placed in front of the shrine offering wine, meat, and fruit (Yang). Paper money and candles are also common. Ching states, “…[the altar] is more like a memorial than a religious object. It honors all of the ancestors who originally created the art.” An incense bowl is placed behind the food and money. The rising smoke and sweet fragrance awaken the spirits of the ancestors represented at the shrine. Food and money are offered to those who have passed on (Ching). These offerings had a dual purpose in that they aimed to please the spirits, and in return hopefully the spirits would rain blessings upon those in attendance at the ceremony. “…food and drink offerings afford a certain leverage to engage the deities in reciprocally supportive actions…” (Kohn, p.4). It is common for the teacher to drink the wine and eat the meat after the completion of the ceremony signifying a “binding of contract.”
Ich habe versucht, die grundsätzlichen Verantwortungen und Pflichten der Lehrlinge aufzuzeigen, aber auch diese variieren von Schule zu Schule und Lehrer zu Lehrer.
Wenn es einen roten Faden gibt, der sich durch meine gesamte Arbeit zieht, so besteht dieser aus den Schwankungen, die durch Individuen und ihre Lebensweisen auftreten. Ist ein Lehrer z.B. Buddhist oder Hui Ren (chinesischer Moslem), so mögen die Regeln des Wu Te im Bezug auf Sexualität, Alkohol oder Lebensmittel etwas strikter sein. Im Bezug auf die eigentliche Zeremonie existiert eine große Spannbreite unterschiedlicher Traditionen, von kunstvoll bis altmodisch ist alles dabei.
Die meisten Lehrer nannten die Schülerschaft-Zeremonie Bai Shi oder „Kotau“ (eine traditionelle Verbeugung, die dem Lehrer gegenüber Respekt ausdrückt und bei welcher der Schüler auf dem Boden kniet und ihn mit seiner Stirn dreimal berührt).
Weitere Bezeichnungen sind z.B. der „Kotau um durch die Tore zu schreiten“ Bai Men, die „Durch das Tor treten Zeremonie“ Rumen Yishi, die „Kotau vor dem Lehrer Zeremonie“ Bai Shi Yishi oder die „Kotau vor dem Lehrer und Schüler Akzeptierungs-Zeremonie“ Bai Shi Shoutu. In der vorliegenden Arbeit bezeichnen wir den Vorgang als Bai Shi.
Nachdem ein Schüler verstanden hatte, was von ihm erwartet wurde, seine Hingabe und Loyalität bewiesen, freundlich um eine Erwägung seiner Schülerschaft gebeten hatte (oder vom Lehrer gefragt wurde) und akzeptiert wurde, fand die tatsächliche Bai Shi Zeremonie statt.
Ein besonderes Datum, wie z.B. ein Jubiläum der Schule, der Geburtstag des Sifu oder das chinesische Neujahrsfest wurde als Tag für das Ereignis auserkoren. Schülerschaft-Zeremonien fanden nicht regelmäßig statt. Manchmal lagen Jahre zwischen ihnen. Gelegentlich wurden sie für nur eine Person abgehalten aber in der Regel weihte der Lehrer immer mehrere Schüler auf einmal ein. Dieses bekräftigte den Aspekt der familiären Bruderschaft, den die Schülerschaft mit sich brachte, da jemand der sich im inneren Kreis bewegte, seinen älteren Mitschülern näher kam als sonst irgendjemand.
Ein zentrales Objekt der Vorbereitung war der sog. Sun Toi (Schrein oder Altar) der Schule. Viele traditionelle Schulen hatten wenigstens einen solchen Schrein um schützenden Geistern und Gottheiten wie z.B. Buddha oder Kuan Yin (sofern der Lehrer oder die Schule sich dem Buddhismus verschrieben hatte) Ehrerbietung darzubringen und/oder um den Vorfahren des Sifu Respekt zu zollen. Manche Schulen stellten ebenfalls Bilder verstorbener Ahnen des jeweiligen Stiles auf, Verstorbene auf der linken Seite und Lebende auf der rechten. Manche stellten auch nur die Bilder verstorbener Meister aus. Tony Yang z.B. hängte die Bilder verstorbener Lehrer über die Bilder ihrer lebenden Schüler auf. Einige südliche Schulen nennen ebenfalls einen Altar für den Gott des Krieges Kuan Yu ihr Eigen, sowie einen Schrein für den Geist der Erde, der über den Boden der Schule wacht. Weitere buddhistische Schulen hatten eine Statue oder ein Bild des Kuan Yin (der Buddha des Mitgefühls) aufgestellt.
Und dann gab es noch den Gott des Krieges. Kuan Gong ist eine berüchtigte Gottheit, die in China für Loyalität, Ehrlichkeit, Mut und die Künste des Krieges steht. Er wurde 162 vor unserer Zeitrechnung geboren und erlangte durch seine unerschütterliche Loyalität dem Kaiser der Han gegenüber überwältigenden Rum unter den einfachen Menschen Chinas. Kuan Gongs militärischer Heldenmut gilt in der kriegerischen Welt als legendär. Seine Waffe, bekannt als Kuan Do oder „Der Säbel des Kuan“ besteht im Grunde aus einem Breitschwert, welches an der Spitze eines 6-Fuß langen Stabes befestigt ist und zielsicher von Kuan Gong geschwungen wird. Auf Bildern und Skulpturen Kuan Gongs wird er mit aufmerksamem und konzentriertem Blick dargestellt, begleitet von zwei Dienern, die ihn zur Rechten und zur Linken flankieren. In manchen südlichen Schulen war es Brauch, dass die Schüler auf den Gott des Krieges einen Schwur ablegten. Auch hier trägt sowohl die Statue Kuan Gongs die anderer Heiliger, als auch der Schrein die Farbe rot, um Glück und Freude auszudrücken. Als Zierde wurden häufig Fledermäuse an einem solchen Schrein dargestellt. Sie stehen für Glück und ein langes Leben. Mein Interviewpartner Cottrell merkte des Weiteren an, dass das chinesische Wort „Fook“ (Fledermaus) ebenso ausgesprochen wird wie der Ausdruck, den die Chinesen für Glück benutzen. In drei vor dem Schrein aufgestellten Schalen offerierte man Wein, Fleisch und Früchte. „Banknoten und Kerzen sind ebenfalls gebräuchlich“ so Ching. „Der Altar sollte eher als Gedenkstätte denn als religiöses Objekt angesehen werden.
Er ehrt alle Vorfahren, die ursprünglich die Kampfkunst hervorbrachten.“ Ein Behälter für Räucherkerzen wurde hinter den Nahrungsmitteln und dem Geld aufgestellt, denn laut Überlieferung weckten der Rauch und die süßen Gerüche die Geister der Ahnen, die der Schrein repräsentierte. Aus zwei Gründen wurden den Verstorbenen Zahlungsmittel und Lebensmittel angeboten: Zum einen hofften die an der Zeremonie Teilnehmenden, den Geistern damit gefällig zu sein und im Gegenzug wiederum Segen von ihnen zu empfangen, denn die Offerierung von Essen und Trinken stellt ja nun an sich bereits eine Eigenkapitaleinlage dar, welche die Gottheiten zu tathafter Unterstützung der Lebenden motivieren sollten. In der Regel nahm der Lehrer nach der Zeremonie den Wein und das Fleisch zu sich um damit die Verbindlichkeit des geschlossenen „Vertrages“ zu bekräftigen.
The ceremonyDie Zeremonie
Bai Shi ceremonies were private affairs, closed to the general public. Relatives, close friends, and martial associates were often invited to speak, demonstrate, and bear witness. The prospects’ older brothers would be in attendance, as well as the teacher’s family. On Mainland China these ceremonies often took place in the teacher’s home (Profatilov). A teacher may also invite his fellow brothers or even his teacher (if still living). This assured having witnesses to confirm that the initiates were ready to become disciples. Usually this was just a formality, for if the student was not ready, or anyone objected to the prospect, the problem would have been dealt with long before the actual ceremony.
The teachers I interviewed stated that some sort of formal clothing should be worn for the ceremony, but in talking with Francisco Rivera I discovered an insight reinforcing the adoption aspect. He stated that male initiates would be bare chested, symbolic of a newborn baby. He was being adopted into the martial family - being born again.
Upon completion the teacher would offer the school uniform, shirt, or a color sash. The sash was usually red, symbolic of luck, combat, as well as the student’s victory over his own limitations, and indicative of his commitment and achievement.
Around the turn of the 20th century Japanese Judo founder Jigoro Kano created the belt ranking system that has become so prevalent in the martial arts of today. In China there was traditionally no belt-based ranking system. The teacher taught more when he felt like the student was ready. One’s status was determined not by a belt, but rather by skills and technique. Modern teachers have adopted belt ranking system as a means to appease the encouragement addiction of Western society. In discipleship, however, it was not uncommon to be given a red sash to signify becoming an Inner Door disciple. But the belt held no special significance outside of being a disciple.
When the day was determined, the initiate(s) wait patiently outside of the training hall or house to be received. Usually the senior disciple (sihing) would lead prospective disciples inside individually, and take them either to a seat or a certain spot on the floor to kneel. They were led in by age, the eldest initiate is taken in first, and placed facing the Sun Toi starting on the far right. The teacher was in front of or beside the sun toi usually seated facing out. If the teacher’s wife (simu) was present she sat on the seat next to her husband. The kneeling initiates were on one, or both sides of the Sun Toi but never on the same level as the teacher (Profatilov). All initiates remain silent until the ceremony began. Once the students were situated, the sihing closed the door and asked the teacher if he was ready to begin (Yang).
This behavior of waiting to be led into a training area, or asking permission to enter, is observed throughout the martial spectrum. It is common courtesy to respect the teacher, his students, and his school by saluting (right fist in an open left palm, bowing the head slightly) and asking permission, or waiting for the teacher to signal you before entering the mat or training space, and signifies submission or obedience to the senior instructor (Romero).
The teacher started the ceremony with a formal speech. He welcomed everyone, and gave special thanks to visiting teachers or distinguished guests, praised the talent of the initiate(s) and welcomed them to the family. In some schools this came after the initiate(s) had been accepted, and had completed making their offerings to the Sun Toi (Profatilov / Yang). Common themes of these speeches were an oral history of the art and lineage, or the initiates’ accomplishments within the martial realm, and also including scholarly or business pursuits. The teacher also spoke of the duties and responsibilities of being a disciple (Cartmell). Corpolongo states that after the teacher made his speech, the siblings took turns making short speeches and congratulating the new disciples.
There were often vows that the initiate must also make. The “Entering the Gate Pledge” or Baimen Tie, was a short vow to respect the traditions and regulations of the martial arts school, as well as the teacher and brothers. One also vowed never to use the art illegally or to harm others, or to teach techniques to anyone outside the martial family (Profatilov). In some ceremonies this piece of red paper with the vows written on it is cast onto a fire binding the words with eternity.
Within Corpolongo’s tradition the initiate must pledge nine oaths, including; “I shall defend my clan brothers against outsiders who would do violence to, oppress, or falsely imprison them. I shall come to their aid if they are assaulted or scolded and I shall arrange for help from our clan brothers if it comes to my knowledge that outsiders intend to maltreat them. I shall warn them so that they may avoid misfortune. I shall treat the relatives of my clan brothers as though they were my own. I shall observe the Wu Te at all times.”
The sense of family and brotherhood shines forth in this passage, as does the importance of the wu te.
Bai Shi Zeremonien sind private Angelegenheiten, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten werden. Allerdings werden gerne Familienangehörige, enge Freunde und Kampfkunst-Genossen eingeladen, um Reden zu halten, Demonstrationen vorzunehmen oder als Zeuge der Veranstaltung beizuwohnen. Sowohl die älteren Kung-Fu Brüder der Anwärter sind in der Regel anwesend, wie auch die Familie des Sifu.
Auf dem Festland von China fanden die Zeremonien oftmals in Hause des Sifu statt und dieser lud sowohl seine Kampfkunst Brüder, wie auch seinen eigenen Lehrer (so dieser noch lebte) zu dem Ereignis ein. Durch diese Maßnahme waren Zeugen zugegen, welche bestätigen konnten, dass die anwesenden Absolventen bereit für die Schülerschaft waren. Normalerweise war diese Vorkehrung jedoch lediglich eine Formalität, da sich für den Fall, dass der Schüler noch nicht bereit für die Zeremonie war oder jemand Einspruch erhoben haben sollte, bereits weit im Vorfeld mit dem Problem beschäftigt wurde.
Die Meister die ich interviewte erklärten, dass eine formelle Kleidung während der Zeremonie unumgänglich sei und als ich mich mit Francisco Rivera unterhielt, entdeckte ich einen weiteren Aspekt, der tieferen Bezug auf das Thema Adoption nahm. Er erzählte, dass in seiner Schule männliche Eingeweihte die Zeremonie mit bloßer Brust durchführten, um das Bild eines neugeborenen Babys zu symbolisieren. Die Schüler wurden dann in die Kampfkunst Familie aufgenommen und damit sozusagen neu geboren. Zum Abschluss der Zeremonie übergab der Lehrer den neuen Schülern die Schuluniform oder eine farbige Schärpe. Diese war in der Regel rot, um die Farbe des Glücks, des Kampfes, sowie den Triumph des Schülers über seine eigenen Grenzen auszudrücken und sie würdigte seine Hingabe und Leistung.
Um die Wende des 20. Jh. kreierte der japanische Judogründer Jigoro Kano das Gürtel-Graduierungssystem, welches in den heutigen Kampfkünsten vorherrschend ist. In China gab es so etwas traditionell nicht. Der Lehrer unterwies den Schüler eher in weiteren Techniken und Theorien, wenn er der Meinung war, dass dieser so weit sei. Der Status eines Kampfkünstlers wurde also nicht durch einen Gürtel ermittelt, sondern durch sein Können und seine technischen Fertigkeiten.
Moderne Lehrer übernahmen das Graduierungssystem, um den westlichen Durst nach Leistungsbestätigung zu stillen.
Wie dem auch sei, während einer Schülerschaft Zeremonie war es durchaus gängig, eine rote Schärpe verliehen zu bekommen um damit den Status des Schülers im inneren Kreis zu bekräftigen auch wenn dieses die einzige Aussage der Schärpe war.
Kam nun der große Tag, so warteten die Anwärter geduldig vor dem Trainingsraum oder dem Haus in dem sie die Zeremonie empfangen sollten. Die Handlungsweise des Wartens um die Erlaubnis zu erhalten, in einen Trainingsraum einzutreten oder um die Bitte um diese Erlaubnis ist in der gesamten Kampfkunstwelt verbreitet. Dieses ist eine höfliche Etikette, um dem Lehrer, den Schülern und der Schule selber Respekt zukommen zu lassen. Verbreitet ist ebenfalls ein Gruß, in dem die rechte Faust in der offenen linken Hand liegt und bei welchem der Kopf leicht geneigt wird. Auch dieser Gruß drückt die Bitte um Einlass aus oder das Warten auf ein Zeichen des Lehrers, welcher diesen gewährt. Diese Geste drückt ebenfalls Demut und Respekt einem älteren Kampfkünstler gegenüber aus.
Gewöhnlich führte dann ein Sihing die angehenden Lehrlinge einzeln hinein und wies ihnen entweder einen Stuhl, oder einen speziellen Platz zum Knien auf dem Boden zu. Sie wurden dem Alter nach hereingeführt, der Älteste zuerst. Dieser durfte dann dem Sun Toi gegenüber rechts außen Platz nehmen. Der Lehrer saß entweder vor oder neben dem Sun Toi in Richtung der Anwärter. Für den Fall, dass die Frau des Lehrers (Simo) ebenfalls anwesend war, saß diese neben ihrem Gatten. Die knienden Anwärter befanden sich entweder auf einer oder auf beiden Seiten des Sun Toi, aber niemals auf der Höhe des Lehrers. Sie verhielten sich ruhig, bis die Zeremonie anfing. Nachdem der Sihing sie herein geführt hatte, fragte er den Lehrer, ob dieser soweit sei, mit der Zeremonie zu beginnen.
War dieses der Fall, so hielt der Lehrer die Einleitung in Form einer formellen Rede. Er hieß alle Anwesenden willkommen und begrüßte speziell die Lehrer oder Ehrengäste die zu Besuch waren, lobte das Talent der Anwärter und hieß sie in der Familie willkommen. In einigen Schulen fand dieses auch erst statt, nachdem die Schüler aufgenommen wurden und ihre Gaben vor dem Sun Toi dargelegt hatten.
Gängige Themen der Rede waren die Historie des Stiles oder der Abstammungslinie, die Leistungen der Anwärter im kampfkünstlerischen Bereich, wie auch ihr Streben nach Lehre oder ihre Errungenschaften im Geschäftsleben. Gerne sprach der Lehrer auch über die Pflichten und Verantwortung die mit der Schülerschaft verbunden sind. Corpolongo gab an, dass nachdem der Lehrer seine Rede beendet hatte, die älteren Schüler an der Reihe waren, die Absolventen zu beglückwünschen. Oftmals legten die Anwärter Schwüre ab. Das „Durch das Tor eintreten Gelöbnis“ oder „Baimen Tie“ war ein kurzer Treueschwur, mit welchem die Traditionen des Stiles respektiert wurden, so wie auch dem Lehrer und den älteren Schülern gegenüber Respekt versprochen wurde. Ebenfalls schwor man, die gezeigten Techniken niemals illegal oder um andere zu verletzen einsetzen würde und man gelobte, niemanden außerhalb der Familie zu unterrichten. In manchen Zeremonien wurde das Gelöbnis auf ein rotes Stück Papier geschrieben, welches im Anschluss verbrannt wurde um dieses auf ewig zu besiegeln.
Die Tradition in Corpolongos Stil will es, dass der Schüler 9 Schwüre zu leisten hat, darunter:
„Ich werde meine Klan-Brüder vor Außenseitern beschützen, die versuchen ihnen Schaden zuzufügen, sie zu unterdrücken oder einzusperren.
Ich werde ihnen zu Hilfe eilen, wenn sie angegriffen oder belästigt werden und ich werde meine anderen Klan-Brüder zu Hilfe holen, wenn ich erfahre, dass sie von Außenseitern misshandelt werden.
Ich werde sie warnen, auf dass ihnen kein Unheil zustößt.
Ich werde die Verwandten meiner Klan-Brüder behandeln, als wären sie meine eigenen und ich werde mich jederzeit nach dem Wu Te verhalten.“
Der Familiengedanke der Bruderschaft, wie auch die Wichtigkeit des Wu Te werden in diesem Abschnitt noch weiterhin hervorgehoben.
Incense, bows and giftsRäucherwerk, Verneigungen und Geschenke
After the speeches, the teacher took three incense sticks, (one was used only for funerals thusly appeasing just the heaven realm) and bowed placing the incense in the proper bowl. In some traditions the teacher would kow tow or bow three times, touching forehead to floor. The student would follow and either light the incense and kow tow, or just kow tow before the Sun Toi (Yang). Mendel and Profatilov state that there would be a series of nine bows, referred to as sanguo jiukou dali. The initiate would perform three deep bows, three medium bows, and three short bows. This physical proclamation of obedience and submission was just what it seemed. In Tony Yang’s ceremony the initiates kow tow three times to the teacher, then three times to their senior brothers. This was an open declaration of one’s commitment and loyalty to one’s teacher and family that acted as a bond, forging the relationship of martial father and martial son.
Intermingled in the ceremony is an aspect that should be noted; the giving and receiving of gifts. Gift giving is to the Chinese what handshakes are to the Texan - a sign of friendship, offering, and hospitality. Whenever I visit my teacher I bring a gift for him and his family, and he offers me a gift as I leave.
Every individual I interviewed had some sort of gift exchange enclosed into their ceremony. Often gifts would be exchanged when the student kow towed to the teacher, or at the end of the ceremony. Gifts could include wine or liquor, cigarettes, tea, or fruits (Profatilov). Not only was gift giving customary, but it also acted as a personal greeting between student and teacher signifying a level of friendship and caring. At this moment the student would be accepted as a disciple. The teacher accepting the gift was symbolic of him accepting the student as a disciple.
A monetary gift was also offered in the traditional hong bao, or red envelope. Commonly seen during Chinese New Year celebrations, these little envelopes with money in them are given to children, family, and friends. As the student kow towed to the teacher the gift was offered with both hands, the hong bao hidden underneath. If no gift was presented then just the hong bao was offered with both hands (Rivera). Using both hands was a sign of respect and symbolic that one was not hiding or keeping anything from the individual receiving the offering. In the martial realm this also showed that both of a fighters hands were occupied, so that no hidden strike or weapon could be employed. Customarily the teacher would also accept with both hands.
The denomination of money followed Chinese number theory of good and bad luck. The numbers two (symbolic of the yin yang duality), three (representing the san tsai, or three powers of heaven, earth, and man), five (in reference to the wu xing, five elements), eight (referring to the Bagua in the I Ching), and nine (the product of three threes) were all common. Four was never used, as the pronunciation (si) was the same as for the word death! Denominations such as $108, or $99 were considered not only appropriate, but were looked upon as good fortune (Corpolongo / Rivera). Rivera states that the teacher would often give a gift of money to the student, but the student must always give more than what was given.
Nach der Rede nahm der Lehrer drei Räucherstäbchen (eins benutzte man lediglich für Beerdigungen um so das Himmelreich zu besänftigen), verneigte sich und steckte die Räucherkerze in die dafür vorgesehene Schale. In anderen Traditionen vollzog der Lehrer den Kotau oder begab sich auf seine Knie und verneigte sich dreimal, wobei er mit seiner Stirn den Boden berührte. Danach folgten die Schüler dem Ritual, entzündeten eine Kerze und vollführten den Kotau, in manchen Fällen auch ohne das Anzünden eines Räucherstäbchens.
Mendel und Profatilov erklärten, dass bei ihrem Stil nun eine Abfolge von neun Verneigungen stattfand, genannt Sanguo Jiukou Dali. Dabei vollführt der Betroffene drei tiefe, drei mittlere und drei kleine Verneigungen. Diese physische Verkündigung des Gehorsams und der Unterordnung war genau das, wonach es aussieht. In Tony Yangs Zeremonie verneigt sich der Betroffene erst dreimal vor dem Lehrer und danach dreimal vor seinen älteren Kung-Fu Brüdern. Dieses galt als öffentliche Erklärung seiner Hingabe und Loyalität gegenüber dem Lehrer und dessen Familie und schweißte einen Bund zwischen Vater und Sohn der Kampfkünste. Eingebettet in die Zeremonie ist auch ein weiterer Aspekt, der beachtet werden sollte, und zwar das Überreichen und Entgegennehmen von Geschenken. Das Vergeben von Geschenken ist für den Chinesen das, was ein Händedruck für den Deutschen ist; ein Zeichen der Freundschaft und der Gastfreundlichkeit. Jedes Mal wenn ich meinen Lehrer besuche, bringe ich ihm und seiner Familie ein Geschenk mit und wenn ich ihn wieder verlasse, bietet er mir eins an. Jeder meiner Interviewpartner hatte den Brauch des Geschenke austauschens in irgendeiner Art und Weise in ihre Zeremonie integriert. Oft wurden Geschenke überreicht, wenn der Schüler den Kotau vor dem Lehrer vollzog oder aber am Ende der Zeremonie. Geschenke konnten z. B. aus alkoholischen Getränken, Zigaretten, Tee oder Früchten bestehen. Nicht nur war ein Geschenk gängig, sondern es symbolisierte ebenfalls einen persönlichen Gruß zwischen Schüler und Lehrer, ein Gruß welcher Freundschaft und Fürsorge ausdrückte. Mit dem Moment der Geschenkübergabe war der Schüler als ein Eingeweihter des inneren Kreises aufgenommen. Die Annahme des Geschenks von Seiten des Lehrers symbolisierte die Aufnahme des Schülers in die Familie. Auch ein aus Geld bestehendes Geschenk in Form des Hong Bao oder roten Umschlags gängig. Oft sieht man diese Umschläge in der chinesischen Neujahrszeit, während welcher sie an Kinder, Familie oder Freunde überreicht werden.
Während der Schüler den Kotau vor dem Lehrer vollzog, wurde das Geschenk mit beiden Händen dem Lehrer angeboten, während man den Hong Bao darunter versteckte. Wurde kein Geschenk angeboten, so überreichte man nur den Hong Bao mit beiden Händen. Die Offerierung mit beiden Händen war ein Zeichen des Respekts und stand dafür, dass man nichts vor der Person verbarg, der man das Geschenk anbot. Im kriegerischen Bereich bedeutete dieses auch, dass die Hände beider Kämpfer beschäftigt waren, sodass sichergestellt wurde, dass kein versteckter Angriff oder eine verborgene Waffe angewandt werden konnte. Üblicherweise nahm der Lehrer das Geschenk ebenfalls mit beiden Händen entgegen. Der Nennwert von Banknoten wurde nach der chinesischen Zahlentheorie von Gut und Böse erstellt. Die Zahlen Zwei (symbolisch für die Yin und Yang Dualität), Drei (welche die San Tsai oder drei Kräfte des Himmels, der Erde und des Mensches repräsentiert), Fünf (in Bezug auf die Wu Xing oder fünf Elemente), Acht (die sich auf das Bagua des I Ching bezieht) und Neun (das Produkt dreier Dreien) waren alle üblich. Die Zahl Vier wurde nie benutzt, da das Wort „Si“ (Vier) genauso ausgesprochen wurde wie das Wort für „Tod“. Die Zahlen $108 oder $99 wurden nicht nur als angemessen angesehen, sondern man freute sich über sie als Bringer des Glücks. Rivera legte dar, dass zwar der Lehrer dem Schüler oft Geld schenkte, dieser aber immer mehr an den Lehrer zurück überreichte als er selber erhielt.
Names and the tea ceremonyNamen und Teezeremonie
Bestowing Chinese names to Westerners has become a phenomenon in the west, though many teachers consider giving esoteric Chinese names a sad attempt to fuse with a culture foreign to one’s own. Still it is common with many Western teachers. Corpolongo gives the disciple a name when he is adopted, usually based on some observations he has made of the student’s personality, or martial nature. Some students were exceptionally fast so they would be named after a snake, dragon, or the mythical phoenix. Some students were powerful, so would have bear, tiger, or horse within their Chinese name. Though not common, an extreme example would have a student take the family name of his teacher (Rivera).
Some traditional schools fashioned their Bai Shi after the Chinese Tea Ceremony. Instead of a Sun Toi the initiates sat at a banquet table with the teacher at the head, arranged again by seniority. Often, pictures of past masters within the lineage would hang behind the teacher. The sihing made the tea, and introduced the disciple to be accepted. The prospective disciple then served tea to everyone present, starting with the teacher and working his way down the table by seniority. The serving of tea by the disciple is symbolic of helping the teacher physically, and empowering your teacher with your own personal vigor (Ching). Note that the Chinese version of the Tea Ceremony is much less formal and precise than the Japanese version. The teacher then made a formal speech accepting the students and praising their accomplishments. Then everyone drank the tea making a bond with the martial family accepting the new disciples (Corpolongo).
Within Corpolongo’s tradition, after the student was accepted as a disciple the student would then cast coins and make a reading of the I Ching to devine their role in the martial brotherhood just entered. Still every school and teacher had their own methods for each occasion. Many less formal teachers would choose to have a large celebration dinner in a private room at a local restaurant. The night would start with the Tea Ceremony, then a large meal, followed by drinking and celebrating. The discipleship ceremony was often held in conjunction with New Year’s so the party would often last well past midnight. Of course, all expenses and costs were to be paid by the new disciple (Profatilov).
Paolo Castaneda was presented with an interesting dilemma when he was to be accepted as a disciple of Kurt Wong. Castaneda is a strict Christian, and was forbidden to prostrate or pray to any other deities or icons then his own. Through discussions with his teacher they were able to accommodate him by having Castaneda give money, and make an oath without religious references. Castaneda states this is becoming more common with the spread of Christianity in both the West and China.
Auch die Vergabe chinesischer Namen an den neu akzeptierten Schüler war ein Phänomen, welches selbst im Westen immer noch angewandt wird auch wenn einige Lehrer der Meinung sind, dass die Vergabe esoterischer chinesischer Namen ein trauriger Versuch ist, an eine Kultur anzuknüpfen, die der eigenen fremd ist. So vergibt z.B. Corpolongo einen Namen an einen neuen Schüler des inneren Kreises, der von dessen Charakter oder seinen kampfkünstlerischen Fähigkeiten herrührt. Schüler die besonders schnell waren, wurden daher nach Tieren wie der Schlange, dem Drachen oder dem mystischen Phönix benannt. Andere waren vielleicht besonders stark und so fanden sich die Begriffe für Bär, Tiger oder Pferd in ihren chinesischen Namen wieder. Wenn auch ungewöhnlich, so kam es dennoch in der Vergangenheit vor, dass der Schüler den Nachnamen des Lehrers erhielt.
Manche traditionelle Schulen gestalteten ihr Bai Shi nach der chinesischen Teezeremonie. Statt vor einem Sun Toi saßen die Beteiligten an einem Festtagstisch, wobei der Lehrer am Kopf des Tisches seinen Platz hatte und auch hier die Sitzfolge nach Altersdazugehörigkeit geordnet war. Oft hingen auch Bilder der verstorbenen Ahnen hinter dem Lehrer. Der Sihing braute dann den Tee und stellte den Anwärter auf Schülerschaft vor. Der betreffende Schüler goss dann den Tee jedem der Anwesenden ein und zwar beginnend mit dem Lehrer und dann entlang des Tisches, vom jeweils Ältesten abwärts.
Das Servieren des Tees von Schüler zu Lehrer steht symbolisch für physische Hilfe und dem Angebot, dem Lehrer die eigenen Kräfte zuteil werden zu lassen. Dabei ist wissenswert, dass die chinesische Variante der Teezeremonie bei weitem nicht so formell und detailliert gehandhabt wird, wie z.B. die in Japan. Darauf hielt der Sifu eine formelle Rede, bei der er die Leistungen des Schülers würdigte und im Anschluss trank jeder den servierten Tee und empfing damit als Familie der Kampfkunst den Schüler in seinem Kreis. In Corpolongos Tradition las der Schüler nach seiner Aufnahme Teile des I Ching vor um damit seine Rolle in der neuen Familie zu definieren. Aber wie bereits angemerkt hat jeder Stil seine eigenen Methoden für verschiedene Anlässe. Viele weniger traditionelle Lehrer wählten ein großes festliches Abendessen in einem Privathaus oder lokalen Restaurant. Der Abend wurde eingeleitet durch eine Teezeremonie, gefolgt vom Essen und der eigentlichen Feier. Oft wurde die Schülerschaft-Zeremonie in Verbindung mit dem chinesischen Neujahr begangen, daher konnte das Fest auch schon einmal bis tief in den nächsten Morgen hinein andauern. Natürlich wurden alle Kosten und Ausgaben von den neuen Schülern des inneren Kreises getragen.
Paolo Castaneda fand sich in einem interessanten Zwiespalt wieder, als er zum Schüler des inneren Kreises von Meister Kurt Wong ernannt wurde. Castaneda ist strikter Christ und daher kam es für ihn nicht in Frage, sich vor einer fremden Gottheit niederzuknien oder ihr sogar zu huldigen. Durch Diskussionen mit seinem Lehrer fanden die beiden aber einen Weg, in dem Castaneda seinem Sifu Geld überreichte und einen Schwur ohne religiöse Bezugnahme ablegte. Laut Castaneda wird dieses mehr und mehr gängig, da sich das Christentum immer mehr sowohl im Westen als auch in China ausbreitet.
Then and nowDamals und heute
The Cultural Revolution forbade all martial arts from being practiced, and taught. During this period many teachers taught a few students in secret. Religious iconography and vestments were also forbidden, making it impossible to construct a Sun Toi, nor hold any kind of ceremony. Hu Xi Lin was one of my few interviewees that were alive and living in China during this time period. He stated that when his teacher, Ma Han Qin, accepted him as a disciple, he simply told Hu that he was a disciple. No ceremony, kow towing, or feast. Ma Han Qin simply said, “You are my disciple” and went on teaching the class. Even in the 21st century discipleship ceremonies are rare in the Peoples Republic of China due to its current political situation (Profatilov).
For the most part all, traditional, ceremonies had some sort of kow towing, gift giving, swearing a pledge or oath, and bonding within their tradition. A few variants such as the tea ceremony were also common, the traditions following the same pattern of demonstrating obedience and loyalty to the teacher and family by swearing an oath and kow towing to the teacher, offering oneself as a dedicated student and proliferator of the style, giving gifts to the teacher and promising to help as if he were ones own father, and paying homage to the ancestors represented by the Sun Toi that came before ones generation with offerings of fruit, wine, and money..
To the layperson these gestures may seem obtuse, and even silly, but to the martial artist these rituals form a bridge between generation’s of dedicated men and women that studied, analyzed, and trained over the centuries. This may be a last ditch effort to connect with a warrior culture that has passed, and may never be seen again. The students and teachers form a bond unique to them in their niche in society. Survival of the system and teachings, as well as a high level of seriousness, is ensured in the process as students dedicate their lives and souls to their art. Each teacher tried to leave his mark on the world by sharing, and molding men and women into better people overall. The pugilists of yesterday even formed a code of ethics in the wu te that set a standard for all practitioners of the martial arts to live by today.
Despite the variability within these ceremonies, there are a multitude of similarities. The foundation of paying one’s respects, and manifesting one’s feelings of loyalty and dedication were prevalent throughout. So many cultural ties, such as the giving of gifts, the adopting of a “son,” and making offerings to the spirits lie within these subtle ceremonies. Yet few practitioners of today’s Chinese martial systems understand what is contained in these traditions. I hope that in these preceding pages I have been able to shed a little light on the traditional Bai Shi ceremony for those who have little experience in the traditions of Chinese martial arts.
Die kulturelle Revolution verbot es, dass Kampfkünste jeglicher Art ausgeübt oder trainiert wurden. Während dieser Zeit unterrichteten viele Lehrer einige wenige Schüler im Verborgenen. Religiöse Ikonographie und Gewänder waren ebenfalls verboten, was es natürlich unmöglich machte, einen Sun Toi zu bauen oder eine traditionelle Zeremonie durchzuführen. Hu Xi Lin war einer der wenigen Meister, die ich interviewte, die zu dieser Zeit in China lebten. Er erklärte, dass sein Lehrer Ma Han Qin ihm einfach sagte, dass er ab sofort sein Lehrling sei. Keine Zeremonie, Kotau oder Fest. Ma Han Qin sagte ihm lediglich, dass er sein Auserwählter sei, drehte sich um und fuhr mit dem Unterricht der Klasse fort. Sogar im 21. Jh. ist es wegen der derzeitigen politischen Lage immer noch unüblich, in China Schülerschaft-Zeremonien abzuhalten.
Ursprünglich hatten die meisten traditionellen Zeremonien eine Art Kotau, Geschenkübergabe, Schwurableistung oder die Erschaffung einer Bindung in ihrer Tradition verwurzelt. Einige wenige Varianten wie die besagte Teezeremonie waren üblich aber im Grunde konnte alles zurückgeführt werden auf das Versprechen, dem Lehrer, der Schule und dem Stil gegenüber loyal und gehorsam zu sein und sich selbst als engagierten Schüler und Verbreiter des Stiles anzubieten, einen Kotau vor dem Lehrer zu vollführen, dem Lehrer seine Hilfe anzubieten als wäre er sein eigener Vater, und dem Respekt zollen gegenüber der Ahnen des Stiles durch die Offerierung von Früchten, Geld und Wein.
Für den Laien mögen diese Gesten seltsam, vielleicht sogar albern wirken, aber für Kampfkünstler schaffen sie eine Brücke zu hingebungsvollen Männern und Frauen, die bereits Jahrhunderte vor uns studierten, analysierten und trainierten.
Dies mag der letzte verzweifelte Versuch sein, an eine alte Kriegerkultur anzuschließen, die lange vergangen ist und vielleicht nie wieder gesehen wird. Schüler und Lehrer erstellen eine Bindung die einzigartig in ihrer Ecke der Gesellschaft ist. Das Überleben des Stiles und seiner Lehren, sowie ein hoher Grad Ernsthaftigkeit wird garantiert durch einen Prozess in dem Schüler ihr Leben ihrer Kunst verschreiben. Alle Lehrer versuchten auf ihre Art, bessere Männer und Frauen zu formen und damit ihre eigene Note für die Nachwelt zu hinterlassen.
Die Kämpfer von gestern formten mit dem Wu Te einen ethischen Kodex und setzten damit einen Standard, nach welchem Kampfkünstler und Kampfsportler überall auf der Welt heute leben.
Trotz des Variantenreichtums der verschiedenen Zeremonien, existieren doch eine Menge Gemeinsamkeiten. Das Fundament der Respektbezeugung und die Manifestierung von Loyalität und Hingabe waren überall vorherrschend. So viele kulturelle Besonderheiten, wie die Überreichung von Geschenken, die Adoption eines „Sohnes“ oder die Ehrerbietung altehrwürdiger Geister liegen in diesen ausgetüftelten Zeremonien. Dennoch verstehen nur wenige Kampfkünstler heutiger chinesischer Systeme was diese Traditionen beinhalten. Ich hoffe durch die vorausgehenden Seiten ein wenig Licht in die Bai Shi Zeremonien gebracht zu haben und denen eine kleine Hilfe war, die wenig Erfahrung im Umgang mit Traditionen chinesischer Kampfkünste haben.